DiensTalk: (UN)SINN FASTEN
Zeitgeist oder spiritueller Trend?
DiensTalk vom 27.03.2012
Laut einer Online-Umfrage der Steirischen Volkspartei setzt die Hälfte der Menschen den Begriff des Fastens mit Gewichtsreduktion gleich. Für 25% der Befragten hat Fasten keine Bedeutung, für 28% ist Fasten ein spirituelles Erlebnis. Mit diesen Umfrageergebnissen leitete Bernhard Rinner den vorösterlichen DiensTalk ein. Podiumsgäste waren der „singende Pfarrer“ von Unterlamm Franz Brei, Starkoch Willi Haider, Ernährungsmediziner Prof. Dr. Manfred Lindschinger und Ernährungstherapeutin Sasha Walleczek.
„Fasten hat viele Gesichter. Man darf nicht nur den Körper sehen, denn Fasten hat vor allem etwas mit der Seele zu tun. Dazu gehören auch Gebete und Almosen. Man darf den Menschen aber nichts aufzwingen, Fasten sollte aus einer religiösen Überzeugung heraus geschehen“, interpretierte Brei diese „Vorbreitung auf Ostern“.
Für Willi Haider bedeutet Fasten eine gewisse Einschränkung und Reduktion, die durchaus vernünftig sein könne. Den Begriff des Fastens vermeidet Haider aber gerne. „Vom Fastenjoghurt, über das Fastenbrot – der Begriff Fasten wird heute viel zu stark kommerzialisiert. Auch muss eine Einschränkung oder Reduktion beim Essen oder Trinken ja nicht zwangsweise vor Ostern passieren. Wichtig ist, dass man sich wohlfühlt und selber mag.“
Lindschinger wies auf gesundheitliche Risiken hin. „Manche Leute bringen sich mit derartigen Kuren in lebensgefährliche Situationen. Als innere Disziplinierung ist dem Fasten aber durchaus etwas abzugewinnen.“ Die Chance, durch falsches Fasten sein Gewicht dauerhaft zu reduzieren liege jedoch lediglich bei 3 – 5%, so Lindschinger. „Wer zunehmen will, muss nur falsch abnehmen.“
Mit Gewichtsreduktion habe Fasten nichts zu tun, auch wenn dies von Medien eingetrichtert werde, ortete Walleczek eine Falle. „Wenn man die selbst auferlegten 40 Tage Fasten nicht schafft, führt das oft zum Frustessen und dann zum gegenteiligen Effekt der gewünschten Gewichtsreduktion. Fasten hat also mit gesunder Ernährung nichts zu tun.“ Problematisch am Begriff des Fastens sei laut Walleczek vor allem, dass es den Begriff des Essens negativ besetzt. „Wer fasten will und dann doch isst, sündigt. Wir sollten den Umgang mit Essen aber nicht als Sünde sehen. Vielmehr sollten wir uns gesund ernähren und uns ab und zu belohnen, anstatt zu sündigen“, schlägt die bekannte Ernährungsexpertin eine andere Sichtweise vor. „Fasten kann wunderbar sein, wenn es einen spirituellen Hintergrund hat. Mit richtiger Ernährung oder dauerhafter Gewichtsreduktion hat es aber nichts zu tun“, fasst Walleczek die Quintessenz der Diskussion zusammen.
DiensTalk 20. März 2012: DIE AKTE KAMPUSCH
Verschwörungstheorie oder Justizskandal?
DiensTalk vom 20.03.2012
Die anhaltende Aktualität des Falles Kampusch und die Tatsache, dass sich auch der Nationalrat mit dem Thema befasst mache diesen auch zu einem Thema für politische Parteien leitete LGF Mag. Bernhard Rinner einen hochkarätig besetzten DiensTalk ein. Die Diskussionsrunde setzte sich aus NRAbg. MBA Werner Amon (der ÖVP-Klubobmannstellvertreter ist Vorsitzender des Kampusch-Untersuchungsausschusses), Dr. Thomas Mühlbacher, Leiter der Staatsanwaltschaft Graz, Mag. Christian Pilnacek, Leiter der Strafrechtsektion im Justizministerium, und Dr. Johann Rzeszut, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofes, zusammen. Es moderierte Ronald Barazon.
Laut einer von der ÖVP durchgeführten Online-Umfrage sprachen sich 50% der Befragten für weitere Ermittlungen in dieser Causa aus, 27% meinten man solle den Fall endlich ruhen lassen. Ähnlich gespalten war auch die Meinung unter den Diskutanten am Podium.
Johann Rzeszut, Mitglied der Evaluierungskommission im Fall Kampusch, verwies auf die Möglichkeit, dass die Entführung von zwei Tätern ausgeführt worden sein könnte. Dies sei von einer Zeugin mehrfach ausgesagt worden. Rzeszut kritisierte, dass eben diese Zeugenaussage nicht ausreichend gewürdigt worden sei und schloss nicht aus, dass es von Seiten der Staatsanwaltschaft Fehlleistungen gegeben habe. Eine Schilderung, der Dr. Thomas Mühlbacher von der Staatsanwaltschaft heftig widersprach. Die Zeugenaussage sei, wie alle Hinweise, mehrfach überprüft worden. Es habe sich herausgestellt, dass die Zeugin sich geirrt habe, für eine Theorie eines zweiten Täters gebe es keinerlei Anhaltspunkte, stellt Mühlbacher fest. . „Der Fall Kampusch wurde von den Behörden dreimal geprüft. Man kann nicht einfach sagen: Ich ignoriere das Ergebnis, weil es mir nicht gefällt.“
Der Vorsitzende des „Ständigen Unterausschusses des Innenausschusses im Parlament“ NRAbg. Werner Amon, wollte über die Ergebnisse der parlamentarischen Beratungen zum Fall Kampusch noch nichts sagen. Möglich seien laut Amon aber ein eigener Untersuchungsausschuss, eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft oder eine weitere Evaluierung des Falles und der Ermittlungen. „Es gibt eine Fülle von Denkvarianten, aber es wäre derzeit verfrüht sich auf eine festzulegen“, so Amon, der für Ende März einen Abschlussbericht des Ausschusses in Aussicht stellte.
Spätestens dann wird eine Entscheidung darüber fallen, ob der Fall Kampusch neu aufgerollt oder endgültig abgeschlossen wird.
Fotos by Teresa Rothwangl: www.camera-obscura.at
DiensTalk: Weniger Gerichte! Weniger Gerechtigkeit?
Wieviel Infrastruktur braucht das Land?
DiensTalk vom 13. März 2012
Großes Publikumsinteresse fand der aktuelle DiensTalk zum Thema “Weniger Gerichte! Weniger Gerechtigkeit?”.
Unter der Moderation von LGF Bernhard Rinner diskutierten Justizministerin Beatrix Karl, der Stainzer Bürgermeister Walter Eichmann, die Präsidentin der Steiermärkischen Rechtsanwaltskammer Gabriele Krenn und der Vorsitzende der Justizgewerkschaft Gerhard Scheucher die anstehende Reform der Bezirksgerichte.
„Moderne Justiz braucht moderne Strukturen“, argumentierte Justizministerin Beatrix Karl die von ihr vorbereitete Reform und betonte, dass es ihr in erster Linie um eine Steigerung der Qualität und mehr Sicherheit ginge. “Eine Verbesserung erfolgt durch eine Spezialisierung der Richter”, so Beatrix Karl. Dies sei nur möglich, wenn mindestens vier Richter an einem Standort seien und nicht, wie jetzt, oft weniger als eine ganze Stelle pro Bezirksgericht vorgesehen ist. So müssten viele österreichische Bezirksgerichte mit 0,6 oder 0,8 Planstellen auskommen, Richter ihre Arbeitszeit oft auf mehrere Gerichte gleichzeitig aufteilen. Karl kündigte als nächsten Schritt Gespräche mit den Ländern an, um auf regionale Gegebenheiten und Bedürfnisse eingehen zu können. Gemeinsam werde man eine „vernünftige Lösung finden“, so die Justizministerin, die jedoch an der Notwendigkeit der Reform an sich keinen Zweifel ließ.
Für eine “effiziente Gerichtsorganisation” sprach sich auch Gerhard Scheucher, Vorsitzender der Justizgewerkschaft, aus. “Jedes Gericht braucht eine Mindestausstattung, vor allem was das Personal – Richter und Rechtspfleger – betrifft.” Wenn die Politik sich diese Mindestausstattung finanziell nicht leisten wolle, sei eine Schließung kleiner Gerichte kaum abwendbar, so Scheucher. Keinen Zweifel ließ der Gewerkschaftsvertreter aber daran, dass ihm “die derzeit angedachte Lösung viel zu weit geht”. Darüber hinaus forderte er Gespräche und vertretbare Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter. Denn bereits in den letzten Jahren hätten die Gerichte durch massive Personaleinsparungen zu leiden gehabt.
Naturgemäß wenig hielt der Stainzer Bürgermeister Walter Eichmann von der Gerichtsreform. Stainz wäre als Gerichtsstandort betroffen, ein Umstand den Eichmann keinesfalls hinnehmen will. “Der ländliche Raum braucht solche infrastrukturellen Einrichtungen, um attraktiv zu bleiben. Auch Institutionen wie Gerichte tragen zur regionalen Identität bei. Durch unser Gericht haben wir 200 Kontakte in der Woche, die auch unsere lokale Wirtschaft beleben. Darauf wollen wir nicht verzichten. Wir werden deshalb um unser Gericht kämpfen”, kündigte Eichmann an. Als konkreten Vorschlag brachte Eichmann eine Aufwertung des Stainzer Bezirksgerichts ein. “Wir sind zu Größerem bereit”, so der Stainer Bürgermeister, der vorschlug, die Gerichtsfälle aus Deutschlandsberg, Voitsberg und Graz-Umgebung Süd nach Stainz zu transferieren.
Die Sinnhaftigkeit der geplanten Reform bezweifelte auch die Präsidentin der Steiermärkischen Rechtsanwaltskammer Gabriele Krenn. Die geplanten Maßnahmen würden zu einer “wesentlichen Verschlechterung beim Zugang zum Recht führen”. Die geplanten Einsparungen von sechs Millionen Euro pro Jahr stünden in keiner Relation zu den negative Auswirkungen, zu denen Krenn auch die Abwanderung von Anwaltskanzleien aus dem ländlichen Raum zählt, wenn es dort keine Gerichte mehr gibt.
Dass finanzielle Aspekte nicht im Vordergrund stünden betonte auch Justizministerin Karl und wiederholte die Aspekte der Qualitätssteigerung und Sicherheit als wesentlichste Ziele der Reform. Wobei Karl auch klarstellte, dass sie damit keinesfalls die Qualitäten kleinerer Gerichte schmälern wolle. “Kleine Gerichte leisten gute Arbeit. Aber für die Zukunft ist eine Reform der Gerichte notwendig. Denn eine moderne Justiz braucht moderne Strukturen. Das nützt den Menschen und der Justiz”, so Karl, die nun mit den 9 Bundesländern in die Detailverhandlungen über die neue Struktur der Gerichte geht.
Fotos von Teresa Rothwangl – Camera Obscura – www.camera-obscura.at





