“Die Liebe kann überall passieren”

DiensTalk vom 7. Mai 2013

„Liebes-Voyeurismus – Warum begeistern Kuppelshows?“, auf Einladung von ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Rinner diskutierten der RTL-Bachelor und Anwalt Jan Kralitschka, die Moderatorin Katrin Lampe, die Winzerin und „Bauer sucht Frau“-Kandidatin Stefanie Sauer und der bekannte steirische Psychologe Enrique Grabl dieses gesellschaftliche Thema in der Parteizentrale der Steirischen Volkspartei.

Auch negative Erfahrungen

„Die Liebe kann überall passieren, auch im Fernsehen“, zeigte sich Jan Kralitschka überzeugt. Er habe die Teilnahme beim Bachelor als Herausforderung gesehen, musste aber auch viele negative Erfahrungen einstecken. Vor allem die mediale Berichterstattung sei nicht immer fair gewesen. Heute bekomme er von vielen Frauen noch Briefe, die ihm schreiben, dass sie es schön finden, dass er seinen Wunsch nach Liebe noch nicht aufgeben hat. „Ich habe mich nie als Pokal gesehen und ich war immer authentisch in der Sendung“, so Kralitschka und ergänzte: „Es war von den Abläufen in der Sendung viel organisiert, aber vom Grundgerüst her war alles echt!“

Reine Illusion oder alles echt?

Authentizität war auch Stefanie Sauer, Kandidatin in der ATV-Sendung „Bauer sucht Frau“ wichtig. Sie wägte einige Zeit ab ob sie an diesem Format überhaupt teilnehmen sollte. „Ich wollte immer so dargestellt werden wie ich bin. Es passierte auch in der Sendung alles so wie es in der Realität war, es wurde nichts inszeniert“, meinte Sauer.

Voyeurismus als Motiv

Durchaus kritisch betrachtete Enrique Grabl die Kuppelshows: „Es gibt eine Reihe von Menschen die als Verlierer hervorgehen, die als Freaks hingestellt werden. Die Zuseher machen sich keine Gedanken was mit den Protagonisten nach der Sendung passiert.“ Grabl vertrat die Auffassung, dass viele Protagonisten sich der negativen Auswirkungen nicht bewusst seien. Als Gründe fürs Zusehen nannte er, dass der Mensch die Illusion brauchen würde, um aus der grauen Realität flüchten zu können. Diesen Wunsch würden die TV-Sender bedienen. Den Erfolg der Kuppelshows sieht er darin, dass die Zuseher einen Hang zum Voyeurismus haben und Freude daran haben, das Gesehene zu kommentieren und sich darüber zu exponieren. Er vertrat auch die Meinung, dass in diesen Shows wenig Reales passiere: „Das ist auch gar nicht notwendig, die Menschen brauchen diesen Lustgewinn und diese Illusion.“

Das Publikum als Gradmesser

Eine andere Position bezog Katrin Lampe: „Wir achten darauf, dass niemand in der Sendung sein Gesicht verliert.“ Sie ist auch der festen Überzeugung, dass man beim Format „Bauer sucht Frau“ nicht schauspielern und inszenieren könne: „Wer das behauptet unterschätzt das Publikum, denn das Publikum würde das sofort merken.“

DiensTalk 30. April 2013: Arbeits- und Finanzwelt im Europa der Zukunft

Schützenhöfer: „Wir wollen den Sozialstaat in die Zukunft retten!“

Am Vorabend zum „Tag der Arbeit“ diskutierte beim „DiensTalk“ eine hockkarätige Expertenrunde über die Arbeits- und Finanzwelt im Europa der Zukunft. Podiumsgäste waren Landesrat Dr. Christian Buchmann, BKS-Bank Vorstand
Mag. Dr. Herta Stockbauer und der deutsche Bundesfinanzminister a. D. Dr. Theo Waigel. Durch den Abend führte Dr. Gisela Hopfmüller.

Bildung ist der Schlüssel für Arbeitsplätze der Zukunft

Zu den Themen Arbeit, Soziales und Europa sprach Landeshauptmann-Stv. Hermann Schützenhöfer: „Wir brauchen Betriebe, die Gewinne machen, um die soziale Sicherheit zu gewährleisten. Denn damit hängt die Zukunft der Arbeit zusammen. Und wer in der Bildung den Fuß in der Tür hat, wird bei den Arbeitsplätzen der Zukunft dabei sein. Das ist entscheidend!“

Arbeit hat mit der Sinnerfüllung des Lebens zu tun

Schützenhöfer zeigte sich besorgt über die Arbeitslosenrate: „Jeder Arbeitslose der arbeiten will, ist einer zu viel! Denn Arbeit ist ein zentraler Wert. Sie hat mit Sinnerfüllung des Lebens zu tun.“ Herausforderungen würden auch im Bereich der Pensionen und der Pflege liegen. Aber die Schwarzmaler, die behaupten, dass alle Systeme vor dem Zusammenbruch stehen würden, hätten nicht Recht. „Wir wollen den Sozialstaat in die Zukunft retten, aber für jene, die ihn wirklich brauchen und nicht für jene, die sich`s immer schon richten konnten“, so Schützenhöfer.

Herausforderung Jugendarbeitslosigkeit

Theo Waigel zeigte sich optimistisch, dass Europa die Probleme lösen wird. „Es ist wieder Vertrauen zurückgekehrt, nicht zuletzt durch die Entschlossenheit der EZB“, so Waigel und mahnte gleichzeitig: „Es führt kein Weg an der Konsolidierung vorbei. ‚Mach dich fit mit Defizit’ – das läuft leider nicht.“ Eines der gravierendsten Probleme für Waigel ist die Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Die Europäische Union müsse mehr Geld für neue Arbeitsplätze in die Hand nehmen.

Europa braucht verbindliche Spielregeln

„Jeder zweite Arbeitsplatz in der Steiermark hängt mit dem Export zusammen. Die Steiermark hat vom Beitritt in die EU enorm profitiert“, so Christian Buchmann. Er zeigte sich überzeugt davon, dass eine  Wettbewerbsdemokratie den Wohlstand in Europa sichert. Autonome Entscheidungen der Nationalstaaten sind unerlässlich, ansonsten würde es zu einer Nivellierung nach unten kommen. Aber Europa würde Spielregeln brauchen, die verbindlich sind.

Zypern war ein Sündenfall

Herta Stockbauer zeigte auf, dass die Lage auf den Finanzmärkten nach wie vor fragil sei. Die Märkte würden sehr sensibel auf politische Botschaften reagieren. Banken würden im Kreditbereich hohe Risiken tragen und es stelle sich die Frage, ob das auch in Zukunft möglich ist und wer die Risiken übernehmen wird. Banken seien per Gesetz gezwungen Staatsanleihen in deren Büchern  zu halten. Diese Verpflichtung müsse aufgelöst werden, denn es sei falsch, dass alle EU-Staaten als risikolos gehandelt werden.  „Zypern war ein Sündenfall, denn auf die Einlagensicherung muss sich der Bürger verlassen können“, so Stockbauer.

DiensTalk 23. April 2013: Patchwork-Familie am Prüfstand

Zukunftsmodell oder Sackgasse?

Der zweite DiensTalk der Frühjahrssaison sorgte wiederum für eine lebhafte Diskussion im Hause der Steirischen Volkspartei am Karmeliterplatz. Die Familiensprecherin der Steirischen Volkspartei, LAbg. Eva Maria Lipp, konnte in Vertretung von Landesgeschäftsführer Mag. Bernhard Rinner als Experten am Podium begrüßen: den Arbeits-, Sozial- und Familienforscher Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal, die Journalistin und Autorin Melanie Mühl und die Redakteurin Mag. Colette M. Schmidt.  Durch den Abend führte Dr. Gisela Hopfmüller.

 

 

Nichts Kaputtes sondern etwas sehr Lebendiges

„Patchwork ist kein Modell“, mit dieser Aussage überraschte Colette Schmidt. Ein Modell sei planbar, Patchwork-Familien würden aus der Situation heraus entstehen. Niemand würde sich das bewusst wünschen. Für eine Großfamilie, wie es eine Patchwork-Familie ist, müsse man sich nicht genieren, es sei nichts Kaputtes, sondern etwas sehr Lebendiges. „Wenn sich die Kinder wohl fühlen, dann muss man das nicht schlecht machen“, so Schmidt und ergänzte: „Man müsste auch das Buch die Ehelüge schreiben, weil so viele Ehepartner nur mehr wegen der Kinder zusammenleben.“

Kinder bleiben zurück

Melanie Mühl, Autorin des Buches „Die Patchwork-Lüge“, ist selber in einer Patchwork-Familie aufgewachsen. Ihre Kritik richtet sich vor allem an die Medien: Sie würden ein idealisiertes und schönes Bild über die Patchwork-Familie zeichnen.  TV- Sender würden die glückliche Patchwork-Familie für ihren Erfolg missbrauchen, da sich in Wahrheit niemand das Scheitern gerne anschauen würde. „Für die Erwachsenen mag mit der Patchwork-Familie ein neues Leben beginnen, vielfach bleiben aber die Kinder zurück“, so Mühl. Man müsse erkennen, wie schwierig der Prozess des Miteinanders in einer Patchwork-Familie sei. „Die Eltern sind das erste Liebespaar, das die Kinder sehen.“ Sie zeigte sich überzeugt, dass diese Erinnerungen nicht so einfach überwindbar sind. „Es gibt Tendenzen, dass Scheidungskinder Schwierigkeiten haben, Bindungen einzugehen. Kinder bemerken, dass etwas zwischen den Eltern vorgefallen ist und spüren die Verletzungen.“

Das Leben braucht unüberprüfbare Beziehungen

„Unsere Gesellschaft ergötzt sich an der Kommunikation des Defizitären. Jeder Mensch steht ständig am Prüfstand. Das Leben braucht aber unüberprüfbare Beziehungen. Wir sollten wieder einen neuen Zugang zum Leben gewinnen“, sagte Wolfgang Mazal. Der Wunsch nach einer perfekten Familie würde bereits das Scheitern in sich tragen. Mazal zeigte sich überzeugt, dass viele Paare von den idealisierten Bildern überfordert sind. Die Gesellschaft müsse sich den Luxus leisten, sich endlich der Realität zu stellen. Kritisch äußerte sich Mazal in Richtung Wirtschaft: „Die Wirtschaft überfordert die jungen Menschen, sie haben nicht mehr die Möglichkeit sich zu entfalten.“ Er sieht darin auch vielfach den Grund, dass Beziehungen scheitern. In Krisenzeiten wünschen sich die Menschen den Zusammenhalt. Das sehe man an der steigenden Zahl der Eheschließungen in den letzten 3 Jahren. „Die Menschen sehnen sich nach Verlässlichkeit und möchten nicht ständig am Prüfstand stehen“, so Mazal.